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Konzert "Weinen, Klagen, Sorgen, Klagen"
Ist die Fasten- und Passionszeit für einen Christen keine Zeit der hoffnungslosen Trauer und der Verzweiflung, da er das Leidensgeschehen Christi schon immer von Ostern her denken kann, so ist die Osterzeit aber ebenso auch keine Zeit des ungetrübten Jubels: Auch wenn der gläubige Mensch sich durch Christi Tod und Auferstehung erlöst weiß, wird er dennoch tagtäglich mit Leid, Elend und Widerwärtigkeiten konfrontiert. Das Leben der Christen ist allzu oft alles andere als "österlich", was wohl niemand pointierter kritisierte als Friedrich Nietzsche. Vor diesem Hintergrund war man eingeladen, am Dienstag, 15. April um 20:00 Uhr, sich auf das österliche Konzert "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" in der Schottenkirche einzulassen. Viele Menschen haben diese Einladung gerne angenommen, wie die voll besetzte Kirche zeigte. Nach der kurzen gemeinsam gesungen gebeteten Komplet, dem Nachtgebet der Kirche, brachte der Chor und das Orchester der Schottenkirche unter der Leitung von Mag. Franz-Xaver Kainzbauer die Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" BWV 12 von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. Diese Kantate beschreibt in theologisch und musikalisch dichter Weise den Weg des Christen aus der Resignation der irdischen Bedrängnis und Beklommenheit hin zur vertrauenden Gewissheit der Geborgenheit in Gott. Bach erhebt in seiner Kantate weder den moralischen Zeigefinger noch kommt er mit billigen Vertröstungen daher: Er beschönigt nichts an dem irdischen Dasein, taucht es aber ein in das milde Licht von Ostern. Der Eingangs- und der Schlusschor beschreiben diesen Bogen: "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, Angst und Not sind der Christen Tränenbrot." heißt es am Anfang, nach einem Rezitativ und drei dramatischen Arien, die dem persönliche Ringen des Gläubigen eine Stimme geben, darf der Chor aber vertrauensvoll verkünden: "Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben. So wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten: Drum lass ich ihn nur walten." Im zweiten Teil des Konzerts interpretierte die Stiftsorganistin, Frau Mag. Zuzana Ferjencikova, an der großen Mathis-Orgel der Schottenkirche Franz Liszts Variationen über den Basso continuo des 1. Satzes der Cantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, Angst und Noth sind des Christen Thränenbrod" und des Crucifixus der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach. Als Begleitung zu diesem kompositorischen Höhepunkt der romantischen Orgelliteratur projizierte P. Christoph Merth OSB seine Photographien von Landschaftsaufnahmen auf eine große Leinwand, in deren Mittelpunkt Bäume standen. Im Dialog mit der Musik von Liszt wirkten diese Photographien wie ein Bildzyklus zum alten Kreuzes-Hymnus der Karwoche "Heilig' Kreuz, du Baum der Treue". Liszts Orgel-Bearbeitung der Bach'schen Vorlage kann man als eine dramatische Steigerung des ersten Teils des Abends bezeichnen: Stehen bei Bach die Nöte und Sorgen der Gläubigen allgemein im Zentrum der Musik, erfährt bei Liszt dieses Thema eine sehr persönliche Einfärbung; dieses Werk ist entstanden nach dem unmittelbaren Verlust seines einzigen Sohnes Daniel und dem Tod seiner Tochter Blandine, die als Mutter im Kindbett verstarb. Wohl selten wird die Erfahrung von Leid wie Trost im Gottvertrauen musikalisch so erfahrbar wie an diesem Abend. Ein Konzert, das donnernde Stille hinterließ. Fr. Nikodemus C. Schnabel OSB
zur Bildergalerie (Johannes Krall u. P. Christoph Merth) >> |
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