Dialogues Mystiques:
Olivier Messiaen: „Les Corps Glorieux“
Konzert mit Yanka Hékimova am 18. November 2008


Wie die meisten Konzerte der Dialogues mystiques orientierte sich auch das VI. Orgelkonzert des Messiaenzyklus am liturgischen Jahr der Kirche – diesmal am Fest Allerheiligen und Allerseelen. „Les corps glorieux“, „Die verklärten Leiber“, ein siebenteilige Werk aus der frühen Schaffensperiode des Komponisten, ist zwar keine liturgische Musik, sondern eher eine der Klangfarben. Aber gerade sie bewirkt Messiaen zufolge, „was die Glasfenster und Rosetten des Mittelalters tun: sie beschert uns das Überwältigtsein ... die beseligende Vision nach dem Tod.“ Sie „wird eine unendliche, überwältigende Erleuchtung sein, eine ewige Musik der Farben, eine ewige Farbe von Musiken“.

Die erste Besonderheit des Konzertes lag darin, daß es diese Klangmystik himmlischer Verklärung mit ganz anders gearteten Musikstücken von Johannes Brahms und Franz Liszt umfing und spannungsvoll deutete. Nach der gesungenen Mönchskomplet und einer kurzen Einführung durch P. Johannes Jung OSB spielte die Pariser Konzertorganistin Yanka Hékimova nämlich zunächst Brahms. Vor allem sein gefühlsvolles Choralvorspiel „Herzlich tut mich verlangen sehr“, das er gegen Ende seines Lebens komponierte, stimmte auf die Thematik von Messiaens „Sieben kurzer Visionen vom Leben der Auferstandenen“ ein. Persönlich bedauere ich, daß zwei Sätze der „Corps glorieux“ nicht aufgeführt werden konnten, vermutlich um das originelle Programm im üblichen Zeitrahmen zu halten. Um so stärker beeindruckten die zu Gehör gebrachten fünf Sätze. Denn sie wurden teils durch Einlagen der Choralschola "quasimodo geniti" unter der Leitung von Xaver Kainzbauer, teils durch eine weitere begrüßenswerte Neuerung, nämlich die Lesung von drei, auf die Textvorgaben Messiaens abgestimmte Perikopen der Heiligen Schrift profiliert, die Br. Nikodemus Schnabel OSB vortrug. Die Interpretationen durch die Choralstücke und die großen biblischen Perspektiven verbanden sich mit den Meditationen Messiaens zu einem einzigartigen musikalischen Gewebe. Mit Messiaens Werk, das im letzten Satz im Pianissimo des Mysteriums der heiligen Dreifaltigkeit verklingt, kontrastierte der Klangrausch von Liszts symphonischer Dichtung „Les Préludes“. Yanka Hékimova spielte sie in einer eigenen Transkription, die besonders durch eine subtile Registrierung und virtuose Technik die wechselnden Stimmungen zum Ausdruck brachte. Sie entsprachen der Erläuterung, die Liszt seiner Musik mitgab – daß nämlich die Phasen des Lebens „Präludien“, also „Vorspiele“ zu jenem unbekannten Gesang sind, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt. Dennoch münden Liszts „Préludes“ in einer siegesgewissen Fanfare.

Messiaen meinte einmal, daß die Menschen heute Freude, Herrlichkeit und Licht viel nötiger hätten, als in ihrer leidvollen Existenz bestätigt zu werden. Das Orgelkonzert von Frau Hékimova hat uns mit diesem Glanz und Klang künftiger Seligkeit beschenkt.


P. Georg Braulik OSB


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