Dialogues Mystiques:
Resurrexit
Orgelkonzert mit Michael Radulescu am 28. April 2009


Die „Dialogues mystiques“ – im 3. Jahr ihres Bestehens und wiederum von unserer Organistin Zuzana M. Maria Ferjenčíková konzipiert wie organisiert – sind 2009 dem gesamten Orgelwerk von César Frank gewidmet. Es wird im Anschluß an die Liturgie des Kirchenjahres in acht Konzerten entfaltet. Sie treten im Paulusjahr, das die Weltkirche heuer begeht, in ein Gespräch mit den Briefen des Apostels, aus denen Texte vorgelesen werden, und ebenso mit den Kirchenvätern, die sie auslegen.

Das erste Konzert des diesjährigen Zyklus gestaltete Professor Michael Radulescu. So unterschiedlich auch die ausgewählten Werke des Eröffnungsabends waren, sie kreisten alle um Tod und Auferstehung und deuteten sie auf je eigene Weise „choralartig“ aus.  Radulescus Wirken als Organist, Universitätslehrer und Komponist ist bereits „Wiener Legende“. Mit seinem Auftritt feierte er auch ein persönliches Jubiläum. Denn auf den Tag genau vor 50 Jahren spielte der Altmeister sein erstes Konzert.

In der Mitte des musikalischen Programms stand deshalb Radulescus Komposition „Resurrexit“, ein ausdrucksstarkes, an der Klangwelt der Renaissance und des Frühbarocks orientiertes Werk, das von der Ostersequenz und dem Luther-Lied „Christ lag in Todesbanden“ geprägt ist. Die Gregorianik und lutherischen Cantus firmi verbinden „Resurrexit“ mit den Orgelchorälen von Johannes Brahms, die dieses Werk rahmten. Seine vier -Stücke gehören zu dem erst posthum veröffentlichten opus 122. Als intime Trauer- und Abschiedsmusik Brahms zum Tod Clara Schumanns umfingen sie die eher elementar-rituellen Auferstehungsklänge Radulescus mit Innigkeit und Gesanglichkeit. Den äußeren Rahmen des konzentrisch aufgebauten Programms, seinen Anfang und sein Ende, bildeten der erste und dritte der drei Orgelchoräle César Franks, auch sie wie die Stücke Brahms biographisch die letzten Kompositionen und ebenfalls von gefühlsstarker Kantabilität geprägt.

Die meisterlich vorgetragene und tief berührende Musik des Abends erhielt durch Abschnitte aus dem Römer- und Kolosserbrief eine biblische Deutung, die sie mit unserer eigenen Erfahrung von Tod und Auferstehung Christi verknüpfte. Augustinus erklärte daran anschließend in seiner Katechese, wie wir daraus heute leben können. Das alles steckte, wie Abt Johannes schon in seiner theologischen Einführung bemerkte, in „Resurrexit – er ist auferstanden“.

Professor Radulescus Konzert war ein in sich stimmiger und überaus stimmungsvoller Auftakt des diesjährigen Orgelfestivals. Mehr noch: Es war das Erlebnis eines musikalisch-spirituellen Glanzstücks, das weitere internationale Gipfelleistungen der Orgelmusik mit ihrer Virtuosität und geistlichen Botschaft verspricht.


P. Georg Braulik OSB


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