Dialogues Mystiques:
Fronleichnam
Orgelkonzert mit P. Ralph Greis OSB am 12. Juni 2009


Im Gefolge von Jean Guillou ein Orgelkonzert spielen zu müssen, stellt auch Musiker von höchstem Rang und Namen vor schwer zu bewältigende Herausforderungen. Denn im Schatten dieses Meisters sind weitere Superlative kaum zu schaffen. Und doch wurden sie im Fronleichnams-Konzert erreicht, sogar mehrfach.

Schon das Programm war etwas Besonderes. Denn diesmal enthielt es ausschließlich Kompositionen von César Franck, dessen Orgelmusikwerken heuer die Dialogues mystiques gewidmet sind. Was man zu Konzertbeginn allerdings noch nicht ahnte – die Stücke waren nicht nur abwechslungsreich geordnet, sondern steigerten sich auf verschiedene Weisen. Am Anfang stand das scheinbar schlichte Triptychon „Prélude, Fugue et Variation“. Es ging schon mit seiner graziöse Eingansmelodie unmittelbar zu Herzen. Das folgende „Final“ trat durch sein langes, aufsehenerregendes Pedalsolo dazu sofort in Kontrast und drängte dann fast plakativ vorwärts. Danach die zweite Besonderheit des Abends: der Wechsel von der Orgel aufs Klavier. So lange die Erinnerung in der Musikgeschichte unseres Klosters zurückreicht war der Bösendorfer Flügel noch nie zu einer Aufführung in die Kirche gebracht worden. Jetzt erklangen auf ihm „Prélude, Choral et Fugue pour piano“. Spätestens dieser Wechsel zwischen den Instrumenten machte auf den jungen Interpreten aufmerksam, den Benediktinerpater Ralph Greis aus der Abtei Dormitio Beatae Mariae Virginis auf dem Zion in Jerusalem. Er ist dort Organist des Klosters und für die geistlichen Konzerte der Abteikirche verantwortlich, außerdem Prior der Brotvermehrungskirche in Tabgha, die jedem unvergessen bleibt, der einmal dieses kleine Paradies am See Gennesaret betreten durfte. Den krönenden Höhepunkt bildeten abschließend die „Variations symphoniques pour piano et orchestre“. Marcel Dupré hat dieses Werk für Klavier und Orgel transkribiert – wahrscheinlich für seine Tochter, eine ausgezeichnete Pianistin, mit der er viele solche Kompositionen gemeinsam gespielt hat. Dabei übernimmt die Orgel die Stimmen des Orchesters, bei uns gespielt durch Zuzana M. Maria Ferjenčíková, unsere Organistin. Sieht man vom Familienkreis Dupré’s ab, war es die Welturaufführung dieser Fassung der „Symphonischen Variationen“. Was das einzigartige Zusammenspiel der beiden Künstler noch zusätzlich auszeichnete, wobei die wenigsten eine solche Instrumentenkombination für möglich hielten: Klavier und Orgel verschmolzen trotz ihrer Eigenständigkeit zu einer vollendeten Harmonie.

Die zwischen den Musikstücken vorgetragenen geistlichen Texte profilierten die Botschaft des Fronleichnamfestes, das am Vortag gefeiert worden war – an den beiden Orgeln übrigens ebenfalls P. Ralph Greis und Zuzana Ferjenčíková. Neben einem Opusculum über Fronleichnam von Thomas von Aquin, auf den die Texte der Festliturgie zurückgehen, waren es Schrifttexte, die Auswirkungen von Fronleichnam im Leben der Gemeinde und dem Leiden mit Christus thematisieren.

Der Auftritt von P. Ralph in der Schottenbasilika weckte den inständigen Wunsch nach einer Ausdehnung seiner Konzerttätigkeit auch auf Orte außerhalb Israels, nicht zuletzt auch in unserer Klosterkirche.

P. Georg Braulik OSB


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