Dialogues Mystiques 2010:
Hingabe – Jesus der Erlöser
Konzert III mit Hans Fidom am 8. Juni 2010


Die Musikauswahl orientierte sich diesmal am Spezialgebiet des Organisten – der Orgelmusik des frühen 20. Jahrhunderts der Niederlande. Für die meisten Zuhörer ist sie eine unbekannte neue Welt. So gab erstmals der Künstler selbst eine kurze Einführung in die Entdeckungsreise dieses Konzerts. Sein Thema „Hingabe“ bezog er dabei auf das ganze Leben und seine Gabe für andere. Eine solche Gabe war auch dieser Abend. Denn Hans Fidom widmete sein Konzert unserer Organistin Zuzana M. Maria Ferjenčíková zur Feier ihres Geburtstags. Liebenswürdig versteckte Bezüge zu ihr fanden sich auch in seiner Improvisation und Zugabe. Die abschließenden Orgelwerke von Franz Schmidt hatte Fidom zwar als Verneigung vor Wien gedacht. Aber Schmidt war ja wie unsere Organistin aus Bratislava nach Wien übersiedelt, hatte hier musiziert und nicht zuletzt für die Orgel komponiert. So passte auch seine Biographie ausgezeichnet in diese Hommage. Cécile Nordegg und Jonathan Berkh überzogen diesmal das Presbyterium mit vorwiegend blau und rot gehaltenen Lichtmustern. Ihre Stimmungen verschmolzen mit den musikalischen Gefühlen zu einem spannungsvollen Raumerlebnis.

Das Konzert hätte kaum besser als mit der „Legende“ von Gerard Bunk beginnen können. Knüpft sie doch an die Klangsprache César Francks an. Charles-Marie Widor hat das Stück hoch geschätzt. Die beiden französischen Komponisten sind Besuchern der Dialogues Mystiques bestens vertraut; sie konnten sich also in dieser melodisch verträumten Stimmungswelt sofort zuhause fühlen. Mit ihm kontrastierten die folgenden eindringlichen Rhythmen von Bert Matters Fantasie über das evangelische Kirchenlied „Von Gott will ich nicht lassen“, das Heinrich Schütz vertont hatte. Sein Thema durchzieht das Werk wie ein „Trotzdem des Vertrauens“ und symbolisiert das Festhalten des Glaubenden an Gott in allen Wandlungen seines Lebensgeschicks. Daan Mannekes knüpft mit seiner Komposition – wie deren Titel andeutet – an das mittelalterliche „Organum“ an und präsentiert eine moderne Mehrstimmigkeit des Instruments. Mit den „70 Chords for Ewald Kooiman“ hat Piet Kee dem siebzigjährigen berühmten Bach-Interpreten ein Denkmal für jedes seiner Lebensjahre gesetzt. Für ihn hatte Professor Fidom übrigens eine Festschrift herausgegeben. Berührend, wenn die tosenden Akkorde schließlich in ein schlichtes B – A – C – H münden. Die folgende Improvisation Fidoms über die Hirtenperikope des Johannesevangeliums erweckte inmitten pastoraler Klänge mit ihren ernsten Harmonien die Hingabe Jesu, das Leitthema des Abends. Dagegen schlug Franz Schmidts „Präludium“ den Bogen zum triumphierenden Schlusshalleluja des „Buches mit sieben Siegeln“, das „vor Gott und dem Lamm“ gesungen wird. Es hat durch Zuzana Ferjenčíková in unserer Liturgie seinen festen Platz am Ende der Osternachtfeier. Mit ihm wie mit Schmidts Choral und Fuge plädierte Hans Fidom überzeugend dafür, die Orgelwerke dieses „Wiener“ Komponisten wieder öfter ins Repertoire aufzunehmen.

P. Georg Braulik OSB

  

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