Dialogues Mystiques 2010:
Vertrauen – Jesus der Beter
Konzert IV mit P. Ralph Greis und Zuzana Ferjencikova
am 28. September 2010


Nach dem Urteil vieler Besucher war dieses „Doppel-Konzert“ eines der schönsten Konzerte der inzwischen vierjährigen „Dialogues Mystiques“. Was hat es zu einem Hochfest des Gefühls und der Virtuosität gemacht? Vor allem war es das kunstfertige Zusammenspiel der beiden Interpreten auf Orgel und Klavier, das „wie in einem einzigen Atem“ (so eine Zuhörerin) die Musik aus der inneren Tiefe aufsteigen ließ. Dann begeisterte der elegant weiche und zugleich volltönende Klang des von Gert Hecher hervorragend restaurierten historischen Bösendorfer-Flügels, auf dem P. Ralph Greis und Zuzana Ferjenčíková abwechselnd brillierten. Natürlich gefiel das feinsinnig ausgewählte Programm, das eng an das Thema „Beten“ anschloss und die Herzen unmittelbar in seinen Bann schlug. Und nicht zuletzt verbanden die von Cécile Nordegg und Jonathan Berkh gestalteten dezenten Lichteffekte, die auf den Charakter jedes Stückes abgestellt waren, Musik und Kirchenraum zu einem Gesamtkunstwerk.

Bereits Franz Liszts 5. Ungarische Rhapsodie „héroïde-elégiaque“, von P. Ralph für Klavier und Orgel bearbeitet und passend in blaues Licht getaucht, prägte nachhaltig das Pathos des Abends. Sie fand ihr emotionelles Gegenstück am Ende des Konzerts in den ebenfalls in Moll gehaltenen Kompositionen von Sergej Rachmaninow, vor allem im 2. Satz Adagio sostenuto aus dem 2. Klavierkonzert, den unsere Organistin für Klavier und Orgel bearbeitet hatte – mit seiner unvergesslichen Melodik wohl der leidenschaftliche Höhepunkt des Konzertes. In diesem Stimmungsrahmen wurden drei Gebete Jesu musikalisch ausgelegt. J. S. Bach behandelte „Vater unser im Himmelreich“. Daran schloss sich seine einzigartige, von Ferruccio Busoni für Pianoforte eingerichtete „Chaconne“ (aus der Partita Nr. 1) an, deren variationsreiche Gefühlswelt Zuzana ebenso ausdrucksstark wie mitreißend aus dem Bösendorfer erweckte. Den Zusammenhang mit dem Gebet könnte ihre Bemerkung bilden, für sie stehe dort „in der Sprache der Musik geschrieben: gleichgültig, wie dramatisch es manchmal auch mit uns steht, sodass wir keinen Ausweg sehen – Gott hat die Macht, alles im Augenblick zu wenden.“ Die Improvisation P. Ralphs zeichnete das Evangelium von der Speisung der Fünftausend am See und Jesu einsames Gebet so lebendig und plastisch nach, dass man meinte, unmittelbar am Geschehen beteiligt zu sein. Olivier Messiaen, der sein Orgelspiel als spirituellen Dienst betrachtete, meditierte das Abschiedsgebet Jesu, seine Bitte um Verherrlichung beim Vater, im 1. Satz seines Orgelzyklus „L’Ascension“, der schließlich strahlend ausklingt.

Also ein Konzert der Superlative im Dienst der Botschaft Jesu! Wie tröstlich, dass man es in Radio Stephansdom in der nächsten Zeit noch einmal hören kann!

P. Georg Braulik OSB

  

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(Photos: M. Schönhacker, J. Stockenreitner) >>

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