Dialogues Mystiques 2010:
Liebe – Jesus der Heiland
Konzert VII mit Zuzana Magdalena Maria Ferjenčíková am 10. Dezember 2010


Das letzte Orgelkonzert dieses Jahres folgte zeitlich knapp auf das Fest der Erwählung Marias (8. Dezember). Zugleich stand es geistlich unter dem Stern der Gottesmutter. Denn die beiden Kompositionen Marcel Duprés, die unsere Stiftorganistin Zuzana M. Maria Ferjenčíková gemeinsam mit Frater Cornelius Pouderoijen OSB, Professor für Gregorianik an der Wiener Musik-Universität, und seiner Schola aufführten, sind marianisch geprägt. Marias Stimme erklingt in den Vertonungen des Hymnus „Ave Maris Stella“. Die „Symphonie-Passion“ aber vergegenwärtigt im Wiegen des Jesuskindes das Geheimnis von Weihnachten und spiegelt im Schmerz der Mutter die Kreuzigung auf Golgota. Beide, Vesperhymnus und symphonische Dichtung, deuteten also das theologische Thema des Abends, die Liebe Jesu, des Heilandes, in einer Art mystischen Dialogs mit dem Marienleben.

Ein weiterer, an Intensität wie Schönheit bisher einzigartiger Dialog entstand zwischen der Orgel und dem Choralgesang. Viermal stellte die Schola eine der Strophen des marianischen Hymnus vor, gefolgt von ihrer Meditation durch die Orgel. Dabei ließ die abschließende Toccata Maria als „Meeresstern“ in musikalischen Strahlenkaskaden aufleuchten. Nicht weniger plastisch übersetzten auch die übrigen Tondichtungen den Engelsgruß und die Bitten an die Gottesmutter in eine faszinierend tonmalerische Sprache.

Wie diese vier Stücke der so genannten „Marienvesper“ entstand auch die Symphonie-Passion aus Improvisationen. Dupré verarbeite in diesem Poème die gregorianischen Melodien von „Jesu redemptor omnium“ („Jesus, Retter allen Lebens“), „Stabat mater“ („Christi Mutter stand mit Schmerzen“), „Adoro te devote“ („Gottheit tief verborgen“) und das Weihnachtslied „Adeste fideles“ („Nun freut euch, ihr Christen“). Das gigantische Werk beschreibt die adventliche Erwartung des Erlösers, seine Geburt, Kreuzigung und Auferstehung und fasst so im Leben Jesu sein Liebeswerk zusammen. Über die Details dieser überaus einfühlsamen Programmmusik informierte das Konzertheftchen, das unsere Organistin als wertvolle Verständnishilfe erstellt hatte. Die Symphonie verdient, auch theologisch reflektiert zu werden. Um ein Beispiel zu nennen: Dupré baut seine Betrachtung der Auferstehung über den eucharistischen Hymnus „Adoro te devote“ auf, der zu Beginn des Satzes erklingt, sich dann in einem gewaltigen Crescendo entfaltet und mit dem Läuten Osterglocken endet. Jesu „Auferstehung“ geschieht also nicht bloß in die ewige Seligkeit Gottes, sondern ermöglicht seine bleibende Gegenwart in den eucharistischen Gaben. Hier begegnen auch wir dem Auferstandenen.

Zuzana F. hat weder Mühe noch Zeit gescheut, um die zwei hochkarätigen Werke ihres Lieblingskomponisten einzustudieren und mit gewohnter Brillanz als marianisch adventliche Vorbereitung auf Weihnachten aufzuführen. Die enormen Anforderungen, die vor allem die Symphonie-Passion stellt, können nur wenige Organisten erfüllen. Dass dazu Frater Cornelius P. mit seiner Choralschola die geistliche Botschaft der Stücke durch liturgische Texte profiliert und feinsinnig ausgelotet hat, machte auch dieses Konzert zu einer Wiener Uraufführung.

P. Georg Braulik OSB

  

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