Dialogues Mystiques 2011:
Konzert mit Martin Haselböck
am 21. Juni 2011


P. Laurentius Eschlböck OSB führte in einfühlsamen Worten die Zuhörer in die Thematik des Konzertabends ein: Liebe, Leid, Tod, aber auch Sicherheit durch Vertrauen auf Gott - „Was Gott tut, das ist wohlgetan. Gedanken, die für die Lebenssituation Franz Liszts (der Tod zweier Kinder) und seine Persönlichkeit zutreffend sind. Bei der Vorstellung des Künstlers betonte er die weltweiten Aktivitäten an vielen Universitäten, das breit gefächerte künstlerische Wirken und die zahlreichen Auszeichnungen des Wiener Hoforganisten Prof. Martin Haselböck, der heuer beim Liszt Festival in Raiding zum „Conductor in Residence“ ernannt wurde.

"Les Morts“-Oraison (1860) war ursprünglich für Männerchor und Orchester komponiert. ‚Hinabgesunken im Strom der Zeit sind die, die uns vorangegangen’. So sinken auch die einleitenden Melodielinien in die Tiefe. Die Seligpreisung der Toten, die im Herren sterben und der Lobpreis Gottes lassen das Klanggebäude auf der Orgel immer strahlender erstehen. Mit himmlischen Harfenklängen endet, Trost für unsere eigene ewige Zukunft, das Werk.

In Evocation à la Chapelle Sixtine (1862) steht die päpstliche Kapelle, Symbol für die Tradition der katholischen liturgischen Musik, im Mittelpunkt. Gregorio Allegris Miserere, das in Liszts Bearbeitung zweimal sich steigernd den heiligen Raum erfüllt, wurde von Prof. Haselböck eindrucksvoll, die klanglichen Möglichkeiten der Schotten-Orgel ausschöpfend, interpretiert. Als Hommage an den vierzehnjährigen W.A.Mozart, der das streng gehütete Werk aus dem Gedächtnis niederschrieb, schließt das Stück zart mit dem „Ave verum“. Sehr typisch für den Spätstil Franz Liszts, der durch ein hohes Maß an Abstraktion und Reduktion der Mittel geprägt ist, steht die Bearbeitung für Orgel des fünfzehn Jahre zuvor komponierten Requiems (1882/83). Die meditativ zarten Abschnitte, von Martin Haselböck sehr differenziert registriert und abschattiert, stehen in scharfem Kontrast zum dramatischen Dies irae und dem strahlenden in wogende Figuren übergehende Sanctus.

Die tiefe Erschütterung über den Tode seines Freundes und Schwiegersohnes Richard Wagner, lässt sich in der kurzen Komposition Am Grabe Richard Wagners (1883) erahnen und in der Interpretation von Prof. Haselböck nachvollziehen. Es war nahe liegend, dass Liszt eine musikalische Verschränkung mit Motiven aus seinem Oratorium Die Glocken des Straßburger Münsters, aus dem Wagner ein Motiv für seinen Parsifal entlehnt hatte, und dem Männerchor aus dieser Oper vornahm.

Den Tod seiner beiden Kinder, Daniel und Blandine, verarbeitete Liszt im Meisterwerk „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (1862). Mit der Wucht der musikalischdramatischen Aussage des chromatisch absteigenden Basso-continuo aus dem ‚Crucifixius’ der h-Moll-Messe von J.S.Bach beginnt das monumentale Werk. In einer Chaconne in f-Moll wird der Klagegesang ausgebreitet. Das Tempo steigert sich in einem zweiten Teil mit Triolen, virtuos klar vom Organisten interpretiert. Im dritten Teil werden die großen Züge mit wuchtigen Akkorden den vollen Klang der Schotten-Orgel ausnutzend immer qualvoller. In immer noch abwärts führenden chromatischen Figuren folgt ein meditatives Rezitativ, gefolgt von einem dramatischen Zwischenspiel, das in einen überraschenden Epilog mündet: Wie aus der Ewigkeit erklingt das versöhnende und Hoffnung spendende Zitat des Chorals „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, in den die Gläubigen kraftvoll einstimmen.

Ein beeindruckender Orgelabend, der sich mit seiner spirituellen Aussage würdig in die Reihe der Dialogues mystiques einfügt.

Prof. Günter Egger

  

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