Zum Advent 2009
Geistlicher Impuls aus dem Kloster


Der Advent, so sagen viele, ist eine Zeit der „Stimmung“ – stimmungsvoll muss es sein. Tatsächlich wird vieles, was wir mit dieser Zeit verbinden, von solchen Stimmungserfahrungen geprägt sein. Doch wir erfahren auch das Ungenügen einer solchen Einstellung, gerade in diesen Tagen, gerade in unserer Zeit. Deshalb soll das Augenmerk zwei Bereichen gelten, die gerade in diesen Wochen eine gewisse Bedeutung haben.


Die Welt der Symbole

Unter den vielen Symbolen, die uns in den Wochen vor Weihnachten umgeben, ist der Adventkranz das wohl bekannteste. In den Kirchen, in unseren Häusern, aber auch in den Straßen der Stadt, den Geschäften, mitunter sogar in den Amtsgebäuden.  Wenn dieser Kranz sprechen, seine Symbolkraft entfalten soll, muss er aber in gewisser Hinsicht „wahr“ sein, sonst verkommt er zu einem Ausstattungsstück, zu einem Werkzeug der Schaufensterdekorateure, das austauschbar ist, aber nichts mehr „sagt“. Dort aber, wo die Kerzen gelegentlich angezündet werden, wo sie die Hoffnung der Menschen ausdrücken, das Licht möge in ihrem Leben mächtiger sein als die verschiedenen Formen von Dunkelheit, wo darüber nachgedacht wird, dass der Sieg des Lichtes wohl aus einer beständigen Ewigkeit heranwachse in unsere Zeit – das Immergrün des Kranzes deutet darauf hin –, dort sagt uns dieses Symbol etwas, dort werden die Kerzen mit gewisser Ehrfurcht entzündet, dort hilft der Kranz wirklich zu Betrachtung und Gebet. Dort kommt wie von selbst auch zur Sprache, worauf wir denn warten.


Das Ziel unserer Erwartung

Fragt man Kinder, worauf wir uns denn in der Adventzeit vorbereiten, werden sie nicht sehr lange für die Antwort brauchen: auf das Weihnachtsfest, auf die Geburt Christi, den Heiligen Abend, auf das Christkind in der Krippe. Ich fürchte, auch Erwachsene werden sich von dieser etwas einseitigen Perspektive noch nicht gelöst haben. Und das gehört auch zur Wahrheit unseres Advents. Denn eine „wahre“ Antwort ist dies genau genommen nicht. Pointiert gesagt: Wir warten nicht auf ein Kind. Aber viele von uns, vielleicht mehr noch jene, die nicht unter uns sind, warten darauf, dass ihr Leben „heil“ werde, lebenswert, glücklich, gesegnet. Theologisch gesprochen: Sie – oder wir – warten auf das Offenbarwerden der Güte Gottes in unserem eigenen Leben, auf die manifeste „Erlösung“. Die kraftvollen Bilder aus dem Evangelium des ersten Adventsonntages geben ja die Wirklichkeit vieler von uns wieder: Bestürzt sein, Ratlosigkeit, Vergehen vor Angst angesichts der Zukunft, das ist nichts Fremdes; es bezieht sich auch nicht nur auf einen fernen Tag eines wie immer gedachten Weltuntergangs, sondern in gewisser Hinsicht auf jedes Morgen, auf jeden Tag, der in Würde bestanden werden will.

Richtet euch auf, und erhebt euer Häupter, denn eure Erlösung ist nahe! (Lk 21,28). Auch wenn man anerkennt, dass wir alle eine große Erwartung auf ein glückliches Ende mit uns tragen, ist ebenso wahr, dass jeder Tag etwas von diesem Endzeitlichen an sich hat, dass Gott Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr einen Weg bereitet, in dessen Lauf das Heil uns näher ist als an dem Tag, an dem wir gläubig wurden (Röm 13,11). Was auf diesem Weg wachsen soll, darüber gibt der große biblische Autor der Adventzeit Auskunft, der Prophet Jesaja: Gerechtigkeit und Friede (vgl. u.a. Jes 2,4).

Es geht also nicht nur um unsere „Stimmung“ in diesen Tagen, sondern um das Sich-Einstimmen in den Erlösungsplan Gottes für uns und für die ganze Welt, anders gesagt um das Wachsen seines Reiches in unserer Mitte. Darum beten wir, wenn wir sprechen: Komm, Herr Jesus, maranâ’ thâ’.

Abt Johannes

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