Begriffe aus der Benediktsregel:
Schweigen
Geistlicher Impuls aus dem Kloster

Es gibt das tödliche Schweigen, wenn Menschen verstummen, obwohl sie einander doch eigentlich etwas sagen müssten; es gibt den „tumben“ Parsifal, der sich aus Angst, die höfische Etikette zu verletzen, nicht zu einer Frage des Mitleids aufraffen kann; es gibt das Verschweigen von Unrecht, das an diesem Unrecht mitschuldig macht.

All dies meint das benediktinische Schweigen nicht.

Wenn der Mönch schweigt, ist er ein Hörender: Er weiß, dass Gottes Stimme dann zu vernehmen ist, wenn ihm Raum gegeben wird. So gibt es im Kloster Zeiten des Schweigens, damit auch die richtige Antwort gegeben werden kann.

In der Praxis befreit das Schweigen vom Zwang des small talks: ein freundlicher Blick sagt genug bei Begegnungen in den Klostergängen. Es ist zu hoffen, dass dann wirkliche Gespräche möglich werden, die aus den Erfahrungen des Schweigens schöpfen und erzählen von Ihm, den die Mönche suchen.

   

Abt Johannes


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